Die »preußische Madonna«

»Ich glaube nicht an Gewalt, ich glaube nur an die Gerechtigkeit.« Heute jährt sich der Geburtstag von Luise von Mecklenburg-Strelitz, der späteren Königin Luise von Preußen, zum 250. Male. Bei ihrer Ankunft in Berlin soll sie ein kleines Mädchen, welches sie mit Blumen begrüßt hatte, herzlich umarmt und geküsst haben, eine Anekdote, die ihre Bürgernähe und Herzlichkeit verdeutlichte. Luise glaubte nicht an adelige Privilegien durch Geburt, sondern an die grundsätzliche Gleichheit der Menschen. Dem preußischen Bürgertum galt sie daher als Hoffnungsträgerin für die Schaffung einer konstitutionellen Monarchie und die gewaltfreie Durchführung grundsätzlicher Reformen, nachdem sich die französische Revolution mit ihren Gewaltexzessen als blutiger Irrweg und untragbares Vorbild für Europa erwiesen hatte. Ihr Sohn Wilhelm I. wurde zum ersten Kaiser des vereinigten deutschen Reiches.

Berühmt, geradezu zur preußischen Legende, wurde die junge Königin jedoch durch ihr Zusammentreffen mit Napoleon Bonaparte in Tilsit am 6. Juli 1807. Erst im Oktober des Vorjahres hatte König Friedrich Wilhelm III. Frankreich nach langem Zögern den Krieg erklärt, auch Luise hatte ihn in diesem Vorhaben bestärkt, da sie Napoleon für ein »moralisches Ungeheuer« hielt. Doch das Preußen dieser Zeit glich nicht mehr dem Friedrichs des Großen, so sehr man auch noch von dessen Ruhm zehrte – der Krieg endete in einem militärischen Desaster. Nun galt es, durch vorteilhafte Friedensverhandlungen wenigstens einen Rest an Würde und Eigenständigkeit zu erhalten. Luise sollte Napoleon nicht als politisch agierende Königin, sondern als Frau und Mutter entgegentreten, doch sie kam zu spät, die Vertragsbedingungen waren längst beschlossene Sache. Für die junge Königin, deren Gesundheit ohnehin bereits stark angegriffen war, bedeutete dieser Mißerfolg auch eine persönliche Katastrophe – auch oder gerade weil Napoleon in seinen Aufzeichnungen zugab, daß ein früheres Erscheinen Luises wohl das Verhandlungsergebnis zugunsten Preußens gewendet hätte.

In die Zeit der Flucht vor Napoleon fällt auch ein Ereignis, das Luises Kindern für immer im Gedächtnis blieb, auf einem ihrer Denkmäler verewigt wurde und gleichzeitig die enge, liebevolle Bindung der Königin an ihre Familie zeigte: Ein gebrochenes Kutschenrad zwang die Flüchtenden zu einer Pause, in der Luise für die Kinder Kränze aus Kornblumen flocht. Seitdem ist diese blaue Blume mit dem Andenken an ihre Person verbunden.

Luise starb viel zu jung an den Folgen eines Herztumors und einer unbehandelbaren Tuberkulose am 18. Juli 1810 in Neustrelitz. Den Protagonisten der napoleonischen Befreiungskriege galt sie als immer noch im Geiste lebendig, als mutige Frau, die ihren Stolz bezwang, um sich bei einem übermächtigen Gegner für das Wohl Preußens einzusetzen. »Luise sei der Schutzgeist deutscher Sache. Luise sei das Losungswort der Rache«, dichtete Theodor Körner, der ihr Bild auf den Fahnen der deutschen Truppen verewigt wissen wollte. Vor allem in Erinnerung geblieben ist die Königin jedoch wegen ihrer Herzlichkeit und ihres unbefangenen Umgangs mit dem Volk. Mehr als hundert Jahre wurde sie als »Königin der Herzen« verehrt, bis die Nationalsozialisten sie ein zweites Mal vom Thron stürzten. Ihr Vorbild galt als nicht mehr »zeitgemäß«.

Wer heute die blaue Kornblume trägt, kann also guten Gewissens für sich in Anspruch nehmen, damit einer mutigen und im besten Sinne kämpferischen Frau seinen aufrichtigen Respekt zu zollen. »Ich gehe von dem Grundsatz aus, daß der Mensch, der sich dem Gedanken überläßt „Preußen ist doch verloren“, ein Mensch ist, der zu gar keinen größeren Vorkehrungen taugt.«

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