So ordnete ich es am Wahlabend ein: Die Welt ist im Umbruch – und Deutschland droht wieder einmal den Anschluß zu verlieren. Während die Kohl-CDU 1989 den Ruf »Die Mauer muß weg« aufnahm und sich an die Spitze des unhintergehbaren Geschichtslaufs setzte, errichtet die Merz-CDU eine neue Mauer, die – mit Blick auf die Wahlergebnisse – exakt an der alten innerdeutschen Grenze verläuft. Wenn es nicht so bitter wäre, müßte man diesen Befund als »Treppenwitz« der Geschichte beschreiben.
Zur gleichen Zeit, in der Merz sich innenpolitisch weiter der linken Doktrin der »Brandmauer« unterwirft und allen Ernstes behauptet, die Ukraine müsse diesen Krieg gewinnen, schäkert der bekanntermaßen politisch sehr flexible französische Präsident Macron bereits mit Donald Trump. Dieser hat bekanntlich Verhandlungen mit Rußland und maßgeblichen ukrainischen Kreisen aufgenommen, um den Krieg zu beenden und einen Rohstoffdeal einzufädeln. Das heutige Titelthema der »Financial Times« ist jedenfalls überaus vielsagend: Zur allgemeinen Empörung nimmt der frisch gewählte Präsident damit Kiew in die Pflicht, für weitere Sicherheitsgarantien auch an die Rückerstattung der US-Militärhilfen in Sachleistungen zu denken. Darauf will sich die Ukraine nicht einlassen, deshalb wird es wohl am Freitag zu einer Übereinkunft von weitaus geringerer Tragweite kommen.
Man könnte fast annehmen, die geopolitischen Analphabeten der deutschen Kartellparteien sind immer noch der Überzeugung, es ginge in der Ukraine um Demokratie und Menschenrechte. Nein, es ging und es geht leider nur um Macht- und Geldinteressen. Von Heinrich Heine stammt der Aphorismus: »Franzosen und Russen gehört das Land, das Meer gehört den Briten. Wir aber besitzen im Luftreich des Traums die Herrschaft unbestritten.«
Wenn die Vertreter des polit-medialen Establishments wüßten wie deutsch sie sind, würden sie wahrscheinlich kollektiven Selbstmord begehen. Besser wäre es – wenn sie sich wie die AfD – endlich den außenpolitischen Realitäten stellten.