Wird deutscher Wein im Ausland mehr geschätzt als in Deutschland selbst? Das legt der verzweifelte Hilferuf rheinland-pfälzischer Winzer nahe. »Es ist die schwierigste Lage der Nachkriegszeit. Wir müssen von einer existenziellen Krise sprechen«, erklärt Weinbauministerin Daniela Schmitt.Bis zu 30 Prozent der Winzer in der größten Anbauregion Deutschlands stehen vor dem Aus. Die Zukunftsinitiative Deutscher Weinbau sieht sogar 50 Prozent der Winzer als bankrottgefährdet. Es ist ein stilles Betriebssterben, für das man sich in Berlin nicht interessiert – auch wenn von dort die notwendigen Maßnahmen eingeleitet werden könnten, um den Niedergang noch aufzuhalten: Überbordende Bürokratie, aber auch steigende Lohnnebenkosten treiben die Produktionskosten für die deutschen Winzer in die Höhe. Nicht zuletzt setzen die Folgen der gescheiterten »Energiewende« den Betrieben zu. Teurer Strom und Diesel machen auch den Wein teurer – und damit im Händlerregal weniger konkurrenzfähig gegen billige Importe aus Italien, Frankreich und Australien.
Der Niedergang der deutschen Weinproduzenten schmerzt nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen: Wein zählt zu den deutschen Kulturgütern, sein Ruf in der Welt schaffte sogar den Einzug in die zweite Strophe des Deutschlandliedes. In der Warmphase des Hochmittelalters erstarkte neben der allgemeinen Landwirtschaft auch der Weinbau. In Zeiten, als sauberes Trinkwasser für große Teile der Bevölkerung noch nicht zugänglich war, zählte er neben Bier zu den »Grundnahrungsmitteln«. Heute locken die deutschen Weinbaugebiete an Rhein und Mosel zahlreiche Touristen an, gerade junge Menschen aus aller Welt entdecken die »Wein- und Rheinromantik« für sich neu. Was vielen Deutschen mittlerweile als »spießig« erscheint, steht für diese jungen Touristen für Geschichte und Tradition. Mit den Winzern geht der Verlust einer jahrtausendealten Kulturlandschaft einher, die Tourismusmagnet ist – und damit eine wichtige Einnahmequelle für die Region.
Auch wenn Donald Trump nicht der erste Präsident ist, der deutschen Wein mit Einfuhrzöllen belegt, um die kalifornischen Winzer zu unterstützen: Deutscher Riesling ist und bleibt beliebt in den USA. Aber auch Indien und vor allem Japan bekunden Interesse daran. Während in Deutschland das Verbraucherinteresse sinkt – die Bevölkerung verzichtet zunehmend auf alkoholische Getränke – weiß die Welt unseren Wein als treuen Begleiter zur einheimischen Küche zu schätzen. Es besteht also noch Hoffnung – nur darf das Thema »Weinanbau« von der Politik nicht auf die lange Bank geschoben werden. In einer Zeit, in der alle Welt von deutschen Rüstungsexporten spricht, könnten wir zeigen, was wir Positives zu bieten haben. Die deutschen Winzer dürfen nicht im Stich gelassen werden.
Deutsche Weintrinker sollten sich jedenfalls jetzt besonders solidarisch mit einheimischen Winzern zeigen. In der Thüringer Landtagsfraktion wird zu besonderen Anlässen nur Thüringer Wein ausgeschenkt bzw. verschenkt. So stärken wir regionale Wirtschaftskreisläufe, die umweltfreundlicher sind als transnationaler Handel und die Wertschöpfung in der Heimat ermöglichen.