»Sonntag blüh’n bei mir Künste und Wissenschaften. Die Wochentage bin ich Jurist und höchstens etwas Musiker; sonntags am Tag wird gezeichnet, und abends bin ich ein sehr witziger Autor bis in die späte Nacht.« So beschrieb der Schriftsteller und Karikaturist E.T.A. Hoffmann die Vielfältigkeit seines Werks. Im Hauptberuf Jurist, gehörte seine Leidenschaft doch vielmehr der Kunst – seine spitze Feder wurde geliebt und gefürchtet, sowohl als Autor, als Musikkritiker wie auch als Zeichner. Dabei sparte er auch nie an Selbstironie.
Der wohl bekannteste Vertreter der deutschen Romantik wäre an diesem Wochenende 250 Jahre alt geworden, am 24. Januar 1776 kam er im ostpreußischen Königsberg zur Welt. Seine Eltern trennten sich schon kurz nach seiner Geburt, er wuchs bei Mutter und Tante in Königsberg auf, wählte aber zunächst aus Familientradition den Beruf seines Vaters und studierte sehr erfolgreich Jura. Schon früh zeigte er sich gefesselt von den Werken der Frühromantik, vor allem »Geistergeschichten« hatten es ihm angetan. So fand er auch Gefallen an den damals populären »gothic novels« aus dem englischen Sprachraum. Seine Novellen wie »Elixiere des Teufels« enthielten neben psychologischen Betrachtungen auch stets eine deutliche mystische Note: So befaßte er sich vor allem in seiner Jugend gern mit Geheimgesellschaften wie den »Illuminaten«, die heute noch Garanten für »Bestseller« und volle Kinosäle sind. Heute würde man Hoffmann wohl als »Multitalent« beschreiben, das seiner Zeit weit voraus war.
Nicht allen gefielen seine direkte Art und sein Humor – zu Karneval 1802 tauchten in Posen bloßstellende Karikaturen bedeutender Persönlichkeiten der Umgebung auf, die aus Hoffmanns Feder stammten. Das brachte ihm eine »Strafbeförderung« in die Provinz ein, was den Autor, der sich gern mit Freunden umgab, sichtlich schmerzte. Später fand sein Werk vor allem im Ausland viel Beachtung, bedeutende französische Schriftsteller wie Guy de Maupassant und Victor Hugo ließen sich von seinem Werk beeinflussen. Auch der berühmte amerikanische Horror- und Kriminalautor Edgar Allan Poe begeisterte sich für Hoffmanns Novellen. In Russland setzte ihm Peter Tschaikowski mit dem Ballett »Der Nußknacker« (1892) ein spätes musikalisches Denkmal, Jaques Offenbach komponierte »Hoffmanns Erzählungen« (1881). Beide Werke zählen heute noch zum festen Repertoire der großen Theater.
Diese Ehrungen hätten E.T.A. Hoffmann, dem eine Karriere als Komponist leider versagt blieb, gefallen. Er verstarb am 25. Juni 1822 nach schwerer Krankheit in Berlin und fand seine letzte Ruhestätte in Berlin-Kreuzberg, wo sein Grabmal bis heute erhalten ist. Im Opernhaus von Posen findet sich folgende zweisprachige Inschrift: »Im Gedenken an E. T. A. Hoffmann 24.1.1776 in Königsberg – 25.6.1822 in Berlin, als Schriftsteller, Komponist, Maler und Jurist tätig in Posen 1800–1802, wo er am 26.7.1802 in der Klosterkirche ad Corpus Christi die Polin Maria Thekla Michalina Rohrer-Trzcinska heiratete, der er bis zu seinem Tod verbunden blieb.« E.T.A. Hoffmann lebt bis heute in seinem eigenen Werk und dem seiner Bewunderer weiter.






