Kein Mensch kann den Sinn des Lebens kennen. Er kann glauben und hoffen, daß es nicht sinnlos ist. Mehr nicht. Und dann kann er tun, was getan werden muß, indem er das ihm innewohnende moralische Gesetz verwirklicht. Im besten Fall darf er am Ende seines Lebens auf eine breite und tiefe Spur zurückschauen, die er gezogen hat. Paul Traxl hätte das tun können. Aber er gönnte sich die Muße dafür nicht. Und dann schlug der Tod überraschend zu…
Als alleinerziehender Vater zog Paul liebend neun Kinder groß. Aus allen ist etwas geworden. Bis zuletzt praktizierte er als Zahnarzt. Vor 26 Jahren lernte er seine zweite Frau Tanja, seine große Liebe, kennen. Ich sprach gestern mit ihr. Wir weinten zusammen, weil sie als Frau und ich als Freund wissen, daß kein gewöhnlicher Mensch gegangen ist, sondern einer, der seiner Gattung in allen Lebenssphären Ehre gemacht hat.
Als Patriot und zoon politikon tat Paul seinen vorbildlichen und doch bescheidenen Dienst in der AfD. Er war ein Urgestein unserer Partei, führte als einer der dienstältesten Vorsitzenden den Kreisverband Aischach-Friedberg im bayerischen Bezirk Schwaben seit seiner Gründung. Darüber hinaus engagierte er sich ehrenamtlich als Kreistagsmitglied. Das Berufspolitikertum sah er äußerst kritisch und hielt sich von jenem, obwohl er jederzeit die Möglichkeit gehabt hätte ein Mandat zu erwerben, fern. Als Idealist waren ihm die minderleistenden Karrieristen und schweinchenschlauen Strippenzieher, die es in jeder erfolgreichen Partei gibt, ein Dorn im Auge. Diese versuchte er einzubremsen. Mit dieser Grundhaltung ausgestattet, lag es deshalb für ihn nahe, sich in der Wertegemeinschaft des Flügels zu engagieren. Er war Erstunterzeichner der Erfurter Resolution, die den grundsätzlichen Erneuerungsauftrag der AfD als letzter evolutionärer Chance für Deutschland klar faßte. Als Flügel-Obmann war mir Paul stets ein wichtiger Ansprechpartner in den verworrenen bayerischen Angelegenheiten. In dieser Funktion organsierte er zahlreiche freudvolle Zusammenkünfte, an die alle Teilnehmer bis heute gerne zurückdenken.
Wir trafen aber auch nach der Auflösung des Flügels regelmäßig zusammen. Wir sprachen dabei nicht nur über die Partei und wie sie auf einem guten Kurs zu halten sei, sondern auch über die großen Dinge. Seine heimische Bibliothek ist umfangreich. Er war klug, er war gebildet und er war an allem interessiert: Geschichte, Philosophie und Mathematik. Wenn ich ihn traf, stieß ich stets auf einen gut gelaunten und zuversichtlichen Menschen. Seine Lebensbejahung drückte sich in einem offenen Lächeln aus. Er war einnehmend, er war verbindlich, er war ein Vorbild – vor allem für die Jugend, aber auch für mich.
Menschen vom Schlage eines Paul Traxl sind selten und deshalb so wertvoll. Er war ein Leuchtfeuer, an dem man sich orientieren konnte. Es war ein Glück, daß sich unsere Lebenswege kreuzten. Und es war mir eine Ehre, ihn über ein Jahrzehnt lang zu begleiten.
Paul, Du wirst mir fehlen!






