Weltweit schreiten KI- und Cybertechnik mit Riesenschritten voran. Kanzler Friedrich Merz ist hierbei trotz vollmundiger Bekundungen kein Wegbereiter für die digitale Zukunft unseres Landes. Beim kürzlich abgehaltenen Digitalgipfel der Bundesregierung verkaufte er die diesbezügliche Behäbigkeit staatlicher Institutionen als Rücksicht auf den »Takt menschlichen Lebens«. Angesichts neuester Entwicklungen im Bereich des KI-gestützten Hackings ist das sträflicher Leichtsinn, der sowohl unsere Wirtschaft als auch unsere Infrastruktur gefährdet. Denn Hacker brauchen heute nur ein paar KI-Tools, um erheblichen Schaden im Netz anzurichten.
Da nimmt sich der Cyberangriff auf einige deutsche Supermärkte schon fast harmlos aus, der Anfang der Woche zentral gesteuerte Kühlregale ausfallen und die dort gelagerten Lebensmittel verderben ließ. Das internetbasierte Steuerungssystem der betroffenen Firma wird in Deutschland bisher selten eingesetzt. In Schweden hingegen ließ ein ähnlicher Angriff vor einigen Wochen bereits 800 Kühlanlagen ausfallen. Experten warnten, niemand nahm sie ernst.
Das BKA registriert seit 2023 einen Anstieg von 300 Prozent bei KI-gestützten Betrugsdelikten, weil neue Tools auch »Einsteigern« ohne lange Planung das Aufspüren von Sicherheitslücken ermöglichen, vor allem aber auch bestehende Schutzmaßnahmen zu umgehen. Ein Angestellter der britischen Ingenieurfirma »Arup« gab nach einer Videokonferenz in gutem Glauben Überweisungen in Höhe von 25,6 Millionen Euro frei. Es stellte sich heraus, daß außer ihm alle Teilnehmer sogenannte »Deep-Fakes« waren, die Hacker aus gestohlenen Daten generiert hatten. Diese Hacker zielen darauf ab, durch die Illusion von Authentizität das »Bauchgefühl« ihrer Opfer auszutricksen, umgehen mit immer ausgefeilteren Fälschungen aber auch die digitalen Sicherheitsmechanismen von Organisationen.
Besonders perfide: Chinesische Hackergruppen nutzten das Open-Source-Tool »Artex«, das Unternehmen helfen sollte, Schwachstellen in ihren Systemen zu finden, indem es deren Netzwerke mit Angriffen zu Testzwecken regelrecht überschwemmt. In Südkorea wurden so die persönlichen Daten von 67.000 Bankkunden gestohlen. Als besonders gefährdet stufen Unternehmen ihre Schnittstellen zu Subunternehmern ein: Dort wird vor allem geistiges Eigentum entwendet. In den USA betraf das 2025 19 Unternehmen, Pharmaziehersteller, die Halbleiterindustrie aber auch den Verteidigungssektor.
Letzteres gibt besonders zu denken. Die Gefahren durch eine sich verselbständigende KI sind in aller Munde. Moderne Tools senken Hemmschwellen und bieten auch Laien immer schnelleren Zugang zu sensiblen Netzwerken. Was könnten Ideologie-gesteuerte Hackergruppen mit diesen Technologien erst ausrichten, die es auf weltweite Versorgungnetze abgesehen haben? Auf den Zusammenbruch jeglicher Zivilisation?
Cybersicherheit ist zu einem Wettlauf mit den technologischen Möglichkeiten skrupelloser Hackergruppen geworden. Diese nehmen keine Rücksicht auf »Behäbigkeit«, sondern sehen diese höchstens als Schwachstelle an. Sorglosigkeit können wir uns nicht leisten – die Alarmglocken schrillen bereits seit Jahren. Und Deutschland scheint den Anschluß mal wieder verpaßt zu haben.






