Es zeigt sich in den kleinen Geschichten des Alltags: Ein Bekannter wies einen Jugendlichen zurecht, der in der S-Bahn mehrere Sitzplätze besetzte und mit seinen Schuhen den Sitzbezug verdreckte. Der Angesprochene dachte gar nicht daran, sein flegelhaftes Verhalten zu korrigieren und wurde sofort aggressiv. Höhnisch fragte er: »Zahlst du etwa Steuern?!« Die Herkunft des »kleinen Paschas« kann sich jeder denken … Es sind nicht alle Ausländer so: Der ordnungsliebende Bekannte ist selbst gebürtiger Ausländer. Aber er ist ein Europäer — und ja, er zahlt hier Steuern.
Das freche Auftreten, die unverhohlene Landnahme, das Anspruchsdenken und die offene Verachtung uns gegenüber, die wir sie großzügig alimentieren, finden wir vor allem in einem ganz bestimmten Kulturkreis. Und das neue Massenphänomen der Gruppenvergewaltigungen läßt sich nicht allein durch mangelnde Triebkontrolle von Zukurzgekommenen erklären. Es geht auch um offenen Haß und die Lust an der Demütigung — und darüber muß einmal offen gesprochen werden.
Die neuen Ursupatoren treffen auf eine Gesellschaft, die von einer Mitleidsmoral geprägt ist. Die deutsche Schuldneurose blockiert jede gesunde Reaktion.
»Der Mut zum guten Gewissen ist mit Sicherheit etwas, was uns heute am meisten fehlt. Man kann Menschen sehr leicht ein schlechtes Gewissen einreden, indem man sie verantwortlich macht für Dinge, mit denen sie eigentlich gar nichts zu tun haben.«
— Norbert Bolz in »Wie Nietzsche uns die neue Linke erklärt«
Diese — eigentlich sehr sympathische — Schwäche wird schamlos ausgenutzt. Das muß sich ändern. Wir müssen wieder den Mut zum guten Gewissen finden und es auch dann behalten, wenn wir unser Geld nur noch für unsere Interessen ausgeben.






