Ablenkung mit Walgesang

Timmy ist tot — es lebe Timmy! Beziehungsweise »Timothea«, denn der Buckelwal war weiblich und wurde zu seinem Leidwesen auch noch gemisgendert.

Drei Monate bestimmte das Schicksal des gestrandeten Wals die Schlagzeilen und verdrängte mit Gefühlsduselei die wahren Verwerfungen in unserem Land: Explodierende Energiepreise, die wahnwitzige Überschuldung, den drohende Kollaps unserer Sozialsysteme, die trotzdem andauernde Massenzuwanderung in eben diese und die Massenabwanderung unserer Industrie.

»Der röhrende Hirsch der Linken ist der singende Wal, könnte man sagen, oder: Kitsch entsteht, wenn um der guten Sache willen gebetet, geketet, gefastet, gebacken, gereimt, geschleimt, gedichtet, gefilmt, gesungen und geträumt wird und Kunstgebilde entstehen, die keinen Gedanken, keine Aufklärung, keine Einsicht und keinen Fortschritt befördern, sondern nur das ebenso wohlige wie trügerische Gefühl, dazuzugehören und dabeizusein, wenn die Guten tuten.«
Gerhard Henschel: »Das Blöken der Lämmer. Die Linke und der Kitsch«

Für die politischen Dilettanten in Berlin war Timmy ein Geschenk des Himmels (bzw. des Meeres): Drei Monate wurde erfolgreich von der Regierungskrise abgelenkt, und moralbesoffen konnten sich die Deutschen wieder als Retter der Schöpfung fühlen. Die Walfahrt zum Timmendorfer Strand war eröffnet – und viele kamen: Meeresbiologen und solche, die sich dafür hielten; Walflüsterer und Selbstdarsteller; sogar ein SPD-Minister nahte mit dem Schlauchboot heran, um dem leidenden Tier in die Augen zu schauen.

Die Klagelaute des gequälten Tieres wurden mit Walgesängen in MP3-Qualität beantwortet: Sie beeindruckten den Wal wenig, aber auf den Menschen wirkten sie vorzüglich.

Die Generalmobilmachung der Medien vertuschte noch mehr: Während der Totenwache für den Meeresriesen in der Ostsee konnte von der breiten Öffentlichkeit unbemerkt der Leviathan aus Brüssel die digitale Massenüberwachung der Bürger auf den Weg bringen.

Was von Timmy übrig blieb, strandete in Dänemark: Ein von Fäulnisgasen aufgeblähter Kadaver, der uns jederzeit um die Ohren fliegen könnte — ein besseres Bild für den Zustand unserer Republik nach Jahrzehnten realitätsfremder Gesinnungspolitik hätte man sich nicht ausmalen können …

Björn Höcke Portrait

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