Etwa einen Monat ist es her, seit mein Gespräch bei Ben Berndt stattfand. Seitdem wurde das Gespräch allein auf YouTube von über sechs Millionen Nutzern gesehen. Das ist die bisher höchste Reichweite, die eine einzelne Podcast-Folge in Deutschland erzielen konnte. Ich freue mich sehr für Ben, denn sein Format {ungeskriptet} ist eine echte Bereicherung für die deutsche Medienlandschaft.
Natürlich gab es dafür Gegenwind – aber Ben knickte nicht ein. Stattdessen bot er seinen Kritikern an, in seinem Studio selbst zu Wort zu kommen.
Exorzismus
[latinisiert aus griechisch ἐξορκισμός, »das Hinausbeschwören]
Die Hoffnung auf ein Millionenpublikum lockte die Reste-Rampe des Anti-AfD-Kommentariats:
Zuerst Melanie Amann.
Inzwischen arbeitet sie für die Funke Mediengruppe – einen Konzern, der so überparteilich ist, daß er für die Merkel-CDU spendete. Dort versucht sie sich nun mit einem billigen Abklatsch von Bens Format zu profilieren: [un]framed heißt ihr Auftritt, in dem sie genau das tut, was der Name zu unterlassen verspricht.
Auch die FDP ringt um Aufmerksamkeit, deswegen stand danach Christian Dürr auf der Matte. Wie schon vorher bei Melanie Amann ging es auch in diesem Gespräch hauptsächlich darum, sich an der AfD (und natürlich an mir) abzuarbeiten.
Besonders Leidensfähige können sich jetzt auch vier Stunden Ricarda Lang geben: Hier zeigt sich das Entlarvende des Formats. Seit ihrem taktischen Rückzug arbeitet ein hochprofessionelles PR-Team an einem neuen öffentlichen Profil für die große Rückkehr auf die bundespolitische Bühne. Dazu gehören ihre wundersame Blitz-Abmagerung genauso, wie die neuerdings verblüffend unkonventionellen, zuweilen sogar geistreichen Kommentare in den Sozialen Netzwerken. Wer ungläubig daran zweifelt, ob die wirklich immer von ihr stammen, braucht sich nur ihr {ungeskriptet}-Gespräch anzuschauen: Wenn das dieselbe Person wie die hinter ihren X-Kommentaren sein soll, dann wirkt das, als habe sie eine intellektuelle Abnehmspritze genommen. Oder die echte Ricarda Lang war einfach immer so.
Die »Entsagung von dem Höcke« ist damit noch lange nicht zu Ende: Aus der Ecke Petry-Pretzell ist ein weiterer Beitrag bei {ungeskriptet} angekündigt. Nach dem grandiosen Scheitern ihrer letzten Splitterpartei gibt es nämlich ein neues Projekt, das beworben werden will — und der Name Höcke verschafft Quote.
Mit dem Erfolg kommen die Neider. Wenn man in der Öffentlichkeit steht, muß man das als verdrehtes Kompliment zu nehmen wissen. Bedeutung mißt sich eben nicht nur an Reichweiten und Wahlergebnissen, sondern auch daran, wie viele sich an einem abmühen.






