Rettet die Minijobs!

Es wäre besser, wenn es sie nicht geben müßte, denn für einige kann eine dauerhafte geringfügige Beschäftigung in die soziale Sackgasse und später zur Altersarmut führen. Aber das sind oft jene, die sonst auf Grundsicherung angewiesen wären. Und die Branchen, die Aushilfsarbeiter brauchen, haben in den derzeitigen Verhältnissen oft auch keine andere Wahl. In der völlig überregulierten Wirtschaft sind die unkomplizierten und flexiblen Beschäftigungsmöglichkeiten ein letzter verbliebener Freiraum. Minijobs sind ein Armutszeugnis für unser Land und gleichzeitig Nothilfe in der Krise.

Anstatt auch hier wieder mit neuen Regulierungen einzugreifen, muß es Ziel der Politik sein, Minijobs überflüssig zu machen.
Die Milchmädchenrechnung, daß die Umwandlung von Minijobs in der Breite zur Finanzierung der Rentenkasse beitragen könnte, wird nicht aufgehen: Viele Stellen können dann nicht mehr ausgeschrieben werden und noch mehr Unternehmen gehen pleite.

Hier die Fakten:

• Es gibt rund 6,8 Mio. Minijobber in Deutschland,
• davon etwa 252.000 in Privathaushalten (Haushaltshilfen, Reinigung, Gartenarbeit, Kinder- oder Seniorenbetreuung).
• Etwa zwei Mio. Bürger sind auf eine Nebenbeschäftigung angewiesen. Die häufigste Form der Einkommensaufstockung sind Minijobs
(schätzungsweise ein Drittel aller Minijobs werden neben einer Hauptbeschäftigung ausgeübt).

Minijobber sind fast überall zu finden:

Die Gastronomie und Hotellerie sind auf geringfügige Beschäftigte angewiesen. Etwa 1,1 Mio. Minijobber arbeiten dort als Servicekräfte, Kellner, Küchenhilfen, Barkeeper oder Eventpersonal. Wir erleben jetzt schon ein dramatisches Gastronomiesterben — das kann jeder an seinem Heimatort beobachten. Wenn der Staat den Unternehmern hier die Flexibilität raubt, wird das zu einem weiteren Kahlschlag in der Branche führen.

Einzelhandel: Hier arbeiten etwa 1. Mio. geringfügig Beschäftigte als Kassierer, Warenverräumer, Inventurhilfen oder Reinigungskräfte.

Auch das Gesundheits- und Sozialwesen muß auf Minijobs setzen: Pflegehilfen, Betreuungskräfte, Hauswirtschafter – und besonders bitter: neuerdings muß sogar Sicherheitspersonal in Krankenhäusern eingestellt werden.

Durch den Onlinehandel ist der Bedarf bei Paket- und Lagerdiensten gewachsen. Auch hier muß hart kalkuliert werden.

Viele kleinere Kinos kämpfen wirtschaftlich ums Überleben: Sie können sich nicht ausschließlich auf versicherungspflichtige Beschäftigte stützen. Dasselbe gilt für Fitnessstudios, Freizeitparks oder Stadionpersonal.

Erziehung und Bildung: Nachhilfe, Kursleitungen, Universitäts-Hilfskräfte …

Natürlich ist auch die Landwirtschaft saisonbedingt auf Hilfskräfte angewiesen.

Die Liste ließe sich so fortführen. Der Punkt ist, daß gerade in Krisenzeiten den Unternehmern mehr Flexibilität zugestanden werden muß. Weniger Bürokratie und eine deutliche Reduzierung der Abgabenlasten wäre hier der richtige Weg. Mehr Netto vom Brutto würde auch für Arbeitnehmer einen echten Anreiz bieten, prekären Beschäftigungsverhältnissen den Rücken zu kehren.

Björn Höcke Portrait

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