Verantwortung als vergessene Tugend

»Die Schulen sollen nicht nur Wissen und Können vermitteln, sondern auch Herz und Charakter bilden«, heißt es in der Bayerischen Landesverfassung. Ausdrücklich werden als oberstes Bildungsziel »Selbstbeherrschung, Verantwortungsgefühl und Verantwortungsfreudigkeit« genannt. Es liest sich wie ein Dokument aus einer längst untergegangenen Welt.

Heute dominiert eine Kultur der Vermeidung: Statt persönliche Konsequenzen zu tragen, schiebt man Schuld auf andere – sei es auf Systeme, Vorgänger oder abstrakte Kräfte. Bei Ausflüchten ist der Phantasie keine Grenzen gesetzt. Diese Schuldorientierung führt zu endlosen Debatten und blockiert jede echte Lösung.

Wir erleben es im Arbeitsalltag: In den Führungsetagen, wenn die Verantwortung für das eigene Versagen auf Angestellte abgewälzt wird. Oder unter Kollegen, wenn passiv-aggressives Verhalten jede Zusammenarbeit vergiftet.

Wir erleben es in der Politik: Skandale werden ausgesessen, Rücktritte darf man selbst nach groben Fehlern nicht mehr erwarten.

»Der Politiker hat nicht nur die Verantwortung für das, was er tut, sondern auch für die Folgen, die daraus entstehen.«
— Max Weber in seinem Vortrag »Politik als Beruf«

Wir erleben es in der Wirtschaft: Wenn die Politik sogar dabei hilft, Gewinne zu privatisieren, während Verluste sozialisiert werden. »Ersatzkapitalismus« nennt das der US-amerikanische Ökonom Joseph E. Stiglitz, es sei ein »Sozialismus für Reiche«.

Willkommen in der Welt der Drückeberger, in der nur noch der gute Vorsatz zählt und nicht das Resultat. Diese Diskrepanz beschrieb bereits Max Weber, als er die »Gesinnungsethik« der »Verantwortungsethik« gegenüberstellte.

Das war nicht immer so: Mit der heutigen »Blame-Culture« hätte keine Zivilisation begründet werden können. Unseren Wohlstand verdanken wir Generationen, in denen Disziplin und Verantwortungsbewußtsein das Fundament ihres Wertekanons bildeten.

»Harte Zeiten schaffen starke Menschen, starke Menschen schaffen gute Zeiten, gute Zeiten schaffen schwache Menschen, und schwache Menschen schaffen harte Zeiten.«
— G. Michael Hopf, »Those Who Remain«

Ihnen folgte eine Generation, die es sich gutgehen ließ — weil sie es konnten. Sie konnten es sich auch leisten, politischen Träumereien anzuhängen, denn es schien zunächst, als wäre in ihrer geschützten Welt jede noch so realitätsfremde Utopie für sie völlig risikolos. Viele von ihnen verzichteten aus Hedonimus (oder auch nur Bequemlichkeit) auf eigene Nachkommen und konnten trotzdem in Frührente gehen. Andere hatten selbst Kinder, doch sie brachen bewußt mit den Traditionen ihrer Eltern. Wenn Erziehung für sie überhaupt eine Rolle spielte, dann war es der Versuch einer Abkehr von allem Bewährten.

Als Gesellschaft erleben wir heute die Trümmer dieser Umwertung aller Werte. Selbstverständlichkeiten müssen mühsam neu erlernt werden. Doch am schwierigsten scheint die Lektion, Veranwtortung zu übernehmen — für sich und andere.

Björn Höcke Portrait

Herzlich willkommen auf meinem Blog. Machen Sie sich ein eigenes Bild und lesen Sie aus erster Hand, für welche Werte ich stehe und welche Politik ich umsetzen will.

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